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KULTUR
KURIER
Rundbrief zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Nr. 6, 1. November 2004
Liebe Leserinnen
und Leser,
INHALT
Schwerpunkt der letzten Ausgabe
des Kultur-Kuriers war die Botschafter-
konferenz 2004, die vom 6. bis zum
9. September im Auswärtigen Amt
stattgefunden hat. Über vier wichtige
Konferenz-Themen aus der Auswär-
tigen Kultur- und Bildungspolitik
möchte ich Ihnen kurz berichten.
Wissenschaft hinaus erworben. Ein
besonderes Glanzlicht setzte schließ-
lich der Kultur-Empfang in der
Bertelsmann-Dependance Unter den
Linden am ersten Abend der Bot-
schafterkonferenz. Dort warben Ber-
telsmann-Vorstandsvorsitzender
Gunter Thielen und Staatssekretär
Jürgen Chrobog in Anwesenheit
von Liz Mohn für die privat-öffent-
liche Zusammenarbeit zwischen der
Wirtschaft und Auswärtigem Amt –
gerade in der Auswärtigen Kultur-
und Bildungspolitik.
Tanz in der Auswärtigen
Kultur- und Bildungspolitik 2
Deutsche Kulturwoche in
Italien – Erfahrungen des
Generalkonsulats Mailand 3
Stichwort Erinnerungs-
kultur – Gedenktage 2005
4
Gemeinsam mit den aus aller Welt
angereisten deutschen Botschaftern
haben wir neue Ideen zur Steuerung
der Auswärtigen Kultur- und Bil-
dungspolitik diskutiert. Auf besonde-
res Interesse sind dabei die Zielverein-
barungen gestoßen, die wir derzeit
innerhalb der Abteilung entwickeln.
Eine zweite Arbeitsgruppe der Bot-
schafterkonferenz hat sich mit neuen
Formen öffentlich-privater Zusam-
menarbeit in der Auswärtigen Kultur-
und Bildungspolitik beschäftigt.
Dabei ging es vor allem um das in
Mexiko und Ankara entwickelte
Erfolgsmodell „Kulturstiftungen der
deutschen Wirtschaft“ und seine
Übertragbarkeit auf andere Stand-
orte. Außerdem war diese Diskussion
für die Botschafter eine gute Gele-
genheit, den neuen Arbeitsstab „Kul-
tursponsoring und private Stiftun-
gen“ kennen zu lernen. Eine dritte
Veranstaltung hat die Aufmerksam-
keit des Publikums auf die Arbeit des
Deutschen Archäologischen Instituts
gelenkt. Diese wichtige Forschungs-
einrichtung, die eng mit dem Aus-
wärtigen Amt zusammenarbeitet, hat
sich gerade im Nahen Osten einen
ausgezeichneten Ruf weit über die
MELDUNGEN
6, 7, 8
TERMINE
9
Nicht vergessen: 2005 ist der 20. Todes-
tag von Heinrich Böll. Auf weitere Jahres-
tage weisen wir Sie auf Seite 5 hin.
Ein ganz anderes Thema behandeln
die Artikel in dieser letzten Ausgabe
des Kultur-Kuriers im Jahr 2004: Best
Practice. Felix Klein berichtet aus Mai-
land über die deutschen Kultur-
wochen in Italien, die im Oktober
stattgefunden haben, und die ich zur
Nachahmung empfehle. Frank Werner
bricht eine Lanze für den Tanz als ein
besonders spannendes Genre auch
in der Auswärtigen Kultur- und Bil-
dungspolitik. Fried-Hansel Nielsen
schließlich hat Ihnen eine Liste der
wichtigen Jahrestage zusammenge-
stellt, die in den kommenden Mona-
ten anstehen. Ich bin sicher, dass
dieser Kalender an vielen unserer Aus-
landsvertretungen Anlass für Ausstel-
lungen, Festivals und Feiern sein wird.
Ich wünsche Ihnen viele gute Anre-
gungen beim Lesen.
Neu!
Seit dem 1. September
können Sie den
Kultur-
Kurier
auch auf der
Internetseite
des Auswärtigen
Amts
abonnieren.
Wilfried Grolig
1
KULTUR
KURIER
Nr. 6, 1. November 2004
Rundbrief zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Tanz in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Wie können wir im Ausland, gerade
einem jungen Publikum gegenüber,
ein aktuelles Deutschlandbild vermit-
teln? Denkt man hier an Projekte und
Programme der Auswärtigen Kultur-
und Bildungspolitik, dann fällt der
erste Blick selten auf eine Kunstform,
die sich in letzter Zeit besonders in
Mittel- und Osteuropa sowie in Afrika
dynamisch entwickelt hat und welt-
weit ein besonders junges Publikum
anzieht: der zeitgenössische Tanz.
Dies mutet kurios an, da Tanz in sei-
ner zeitgenössischen Form zwar nicht
immer wortlos ist, aber wesentlich
von seinem nonverbalen, also global
verständlichen Ausdruck lebt. Für die
Jugend attraktiv ist der Tanz aber
auch, wenn er – wie etwa in Russland
geschehen – hilft, moderne Akzente
zu setzen.
Aber auch das Auswärtige Amt schal-
tet sich bei Projekten mit besonderer
kulturpolitischer Relevanz ein: Aus
Sondermitteln des Außenministeri-
ums organisierte das Goethe-Institut
Athen zum Beispiel eine Performance
des Stücks „D’Avant“ bei den Para-
lympics. Ausgehend von der Vokal-
musik des Mittelalters haben die vier
internationalen, in Berlin lebenden
Künstler ein Mosaik aus Gesang und
Bewegung entworfen, das neben
aufblitzender Ornamentik arabischen
Ursprungs eine seltene Mischung aus
klösterlicher Askese und mediterra-
ner Sinnlichkeit erschafft. Das höchst
erfolgreiche Stück soll nun auch als
künstlerisches Highlight zum 40-jäh-
rigen Bestehen der diplomatischen
Beziehungen zwischen Deutschland
und Israel in Tel Aviv gezeigt werden.
Der interkulturelle Ansatz des Stücks
hätte aber sicher auch seinen Reiz für
arabische Länder!
Tanztheater in Deutschland boomt –
trotz der schlechten Haushaltslage.
Es ist daher nicht überraschend, dass
etwa das Generalkonsulat San Fran-
cisco eine Reise im Rahmen des
Gästeprogramms der Bundesregie-
rung vorschlägt, um amerikanischen
Teilnehmern Strukturen und Akteure
der hiesigen Tanzszene näherzubrin-
gen. Ähnliche Besuchsprogramme
für Multiplikatoren führt auch das
Goethe-Institut durch. Gerade für
Veranstalter und Choreographen aus
Mittel- und Osteuropa sind Einladun-
gen zu derartigen Programmen nicht
nur Ermutigung, sondern oft auch
die einzige Möglichkeit, sich mit
Kollegen auszutauschen und zu
lernen. Ideen und Fragen sind dem
Programmreferat des Auswärtigen
Amts willkommen!
Wenig bekannt ist, dass die Berliner
Tanzszene die größte Europas ist, und
eine enorme internationale Sog-
wirkung entfaltet. In Berlin wirkt
nicht nur Sasha Waltz, die – nach
Auflösung des Forsythe-Balletts in
Frankfurt – das bedeutendste Ensem-
ble nach Pina Bausch unterhält. In der
Hauptstadt ansässige Choreographen
wie Felix Ruckert, die Argentinierin
Constanza Macras und der Franzose
Xavier le Roy touren mit ihren Stücken
ebenfalls weltweit, zahlreiche junge
Talente wachsen nach. Das Goethe-
Institut unterstützt diese und andere
in Deutschland lebende Tanzkünstler
nach Kräften, und führt jährlich über
hundert
in aller Welt
durch .
Frank Werner arbeitet in der
Kultur- und Bildungsabteilung des
Auswärtigen Amts.
„Back to the Present“
von Constanza Macras
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Nr. 6, 1. November 2004
Rundbrief zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Deutsche Kulturwoche in Italien – Erfahrungen des Generalkonsulats Mailand
Unter dem Motto „GerMANIA: 100
Events, um die deutsche Kultur in
Italien zu lieben“ führten die deut-
schen Auslandsvertretungen in Italien
zusammen mit Goethe-Instituten,
deutsch-italienischen Kulturgesell-
schaften und anderen deutschen
Kulturinstitutionen sowie mit zahlrei-
chen italienischen Partnern erstmalig
eine „Woche der Deutschen Kultur“
durch. Ziel der Initiative war es zum
einen, der hiesigen Öffentlichkeit das
beeindruckende deutsche kulturelle
Engagement vor Augen zu führen,
das trotz der bekannten Haushalts-
zwänge nach wie vor besteht; zum
anderen sollten in einer Zeit eher
distanzierter politischer bilateraler
Beziehungen sowie deutscher wirt-
schaftlicher Imageverluste mit den
Themen Kultur und Lifestyle Bereiche
angesprochen werden, an denen die
Italiener interessiert sind, in denen
wir etwas zu bieten haben und wo
wir mit unseren Möglichkeiten der
„public diplomacy“ Sympathie und
Verständnis entwickeln können.
Auftakt der deutschen Kulturwoche am 27. September 2004 in Mailand
sich an exklusiven Events zu betei-
ligen, die wir durch unsere Kontakte
auf den Weg bringen konnten. Bei-
spiele waren ein Barockkonzert im
Seitenschiff des Mailänder Doms, der
ansonsten für die Öffentlichkeit ge-
schlossen war, ein Konzert im altehr-
würdigen „Palazzo Reale“ sowie ein
Ausstellungsprojekt der Deutschen
Schule Mailand in der berühmten
„Galleria Vittorio Emanuele“. Als
Gegenleistung erhielten die Firmen –
neben der Nennung als Sponsor – eine
Anzahl von Karten für ihre Kunden
und Mitarbeiter und konnten für diese
auch eigene Empfänge durchführen.
Wichtig für den Erfolg bei der Einwer-
bung von Sponsorengeldern war nach
unserer Erfahrung die Identifizierung
von Firmen, bei denen wir eine Be-
ziehung zu der jeweiligen Veranstal-
tung herstellen konnten, getreu dem
Motto: „Der Köder muss dem Fisch
schmecken, nicht dem Angler“. So
hatten wir für das Sponsoring
des Eröffnungsabends, der ganz im
Zeichen der Städtepartnerschaft zwi-
schen Mailand und Frankfurt am Main
stand, die Messe Frankfurt GmbH
sowie die in Frankfurt ansässige
Commerzbank AG gewinnen können.
So viele Sponsorenmittel wie bei der
Kulturwoche in Italien lassen sich
gewiss nur dort einwerben, wo die
deutsche Wirtschaft gute Geschäfte
macht; wenn diese Voraussetzungen
vorliegen, sollten die Kollegen an
Botschaften und Generalkonsulaten
allerdings keine Berührungsängste
haben und die Firmen auf – auch kos-
tenintensives – Sponsoring anspre-
chen. Wir jedenfalls waren sehr an-
genehm davon überrascht, wie
viele aufgeschlossene, positive und
letztlich auch einträchtige Reaktionen
wir von den Unternehmen erhalten
haben.
In Mailand und Umgebung fanden
über vierzig Veranstaltungen statt.
Außer 1.000.– Euro, die das General-
konsulat für die Erstellung der Pro-
gramme zusteuerte, wurden alle
Events mit Sponsorgeldern der deut-
schen Wirtschaft finanziert – insge-
samt über 200.000.– Euro. Hierbei
galt es, die Unternehmen davon zu
überzeugen, dass sie mit der För-
derung von Veranstaltungen eigene
Interessen bedienen können. So boten
wir zum Beispiel einigen Firmen an,
Felix Klein ist Kulturreferent
am Generalkonsulat Mailand.
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Nr. 6, 1. November 2004
Rundbrief zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Stichwort Erinnerungskultur – Gedenktage 2005
Wer nicht von dreitausend Jahren
Bücher zum Thema
Erinnerungskultur:
Sich weiß Rechenschaft zu geben,
Bleib im Dunkeln unerfahren,
Manfred Osten
Das geraubte Gedächtnis –
Digitale Systeme und die
Zerstörung der Erinnerungskultur,
Frankfurt/Main, 2004
Mag von Tag zu Tage leben.
Johann Wolfgang von Goethe
West-Östlicher Diwan
Wolfgang Frühwald
Noch vor wenigen Jahren informierte
„Inter Nationes“ regelmäßig in einer
Vorausschau über wichtige Gedenk-
tage der deutschen Sprache und Kul-
tur. Dann wurde für „Inter Nationes“
die Löschtaste gedrückt, und der
Kalender der Gedenktage erschien
nicht mehr. Das hatte etwas Beruhi-
gendes, da man nicht mehr darüber
nachzudenken brauchte, wer eigent-
lich wer war und weshalb Ereignisse,
die weit zurückliegen, für uns noch
von Bedeutung sind. Diejenigen aller-
dings, die sich noch erinnern wollten,
waren weniger beruhigt. Wo war
jetzt die Information zu finden, wann
sich welcher wichtige Gedenktag
jährt? Im Internet? Wohl kaum. Für
die Datenflut im Internet gilt jeden
Tag mehr der Satz: „Gespeichert,
das heißt vergessen.“
Über die Angst vor dem Buch
und der Erinnerung –
„... sie würden auch
Goethe verbrennen“.
In: Leviathan, Zeitschrift für
Sozialwissenschaft 2002 (3)
Durs Grünbein
Warum schriftlos leben.
Aufsätze, Frankfurt/Main 2003
Peter Handke
Mündliches und Schriftliches,
Frankfurt/Main 2002
Siegfried Lenz
Franz Marc „Blaues Pferd“
Über das Gedächtnis.
Reden und Aufsätze,
Hamburg 1992
land. Wir würden uns freuen, wenn
auch Sie uns auf wichtige anstehen-
de Gedenktage hinweisen würden
Wir haben deshalb einen Kalender
wichtiger kultureller Gedenktage
zusammengestellt. Er soll in Zukunft
zweimal im Jahr erscheinen, für die
Zeiträume Januar bis August und
September bis Dezember. Hoffentlich
dient dieser Kalender als Anregung
für kulturelle Veranstaltungen im Aus-
Harald Weinrich
Fried-Hansel Nielsen leitet den
Arbeitsstab Kultursponsoring und
private Stiftungen
im Auswärtigen Amt.
Lethe, Kunst und Kritik des
Vergessens, München 1997
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Nr. 6, 1. November 2004
Rundbrief zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
Stichwort Erinnerungskultur – Gedenktage 2005
Wann
Wer
Was
Anlass
4. Januar
Anselm Feuerbach
Maler und Zeichner
125. Todestag
22. Januar
Tag der deutsch-französischen Freundschaft
27. Januar
Befreiung der Häftlinge des
Konzentrationslagers Auschwitz
60. Jahrestag
8. Februar
Franz Marc
Maler, Mitbegründer des „Blauen Reiters“
125. Geburtstag
9. Februar
Adolph von Menzel
Maler und Grafiker
100. Todestag
21. Februar
Alfred Andersch
Schriftsteller
25. Todestag
22. Februar
Oskar Kokoschka
Maler, Grafiker und Schriftsteller
25. Todestag
23. Februar
Carl Friedrich Gauß
Mathematiker und Astronom
150. Todestag
9. April
J. William Fulbright
Amerikanischer Politiker,
Initiator des Fulbright-Austauschprogramms
100. Geburtstag
18. April
Albert Einstein
Physiker
50. Todestag
8. Mai
Ernst Ludwig Kirchner
Maler und Grafiker
125. Geburtstag
8. Mai
Ende des Zweiten Weltkriegs
60. Jahrestag
9. Mai
Friedrich von Schiller
Dichter
200. Todestag
12. Mai
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel 40. Jahrestag
14. Mai
Eduard Graf von Keyserling
Schriftsteller
150. Geburtstag
7. Juni
Künstlerbund „Brücke“
Die Maler Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner,
Fritz Bleyel und Karl Schmidt-Rottluff
gründen die „Brücke“.
100. Jahrestag
29. Juni
Max Pechstein
Maler, Grafiker und Bildhauer
50. Todestag
16. Juli
Heinrich Böll
Schriftsteller
20. Todestag
12. August
Thomas Mann
Schriftsteller
50. Todestag
28. August
Michael Ende
Schriftsteller
10. Todestag
Thomas Mann
Albert Einstein
Friedrich von Schiller
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